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Gin Herstellung | So kommt der Geschmack in die Flasche

Gin ist derzeit die wohl angesagteste Spirituose in der weltweiten Barlandschaft. Wo Anfang der 2000er noch am liebsten Vodka-Bull getrunken wurde, ist mittlerweile Gin-Tonic der Renner. Hier wollen wir euch näherbringen wie der leckere Spirit hergestellt wird.

Gin & wie der Geschmack in die Flasche kommt

Gin ist Schnaps?

Gin unterscheidet sich in einem Punkt deutlich von anderen Spirituosen wie Wodka oder Whisky. Bei ihm wird absichtlich mit unterschiedlichsten Gewürzen gespielt, um einen ganz eigenen Geschmack zu erzeugen. Hier kommt es also weit weniger auf ganz besonderes Quellwasser oder die Filterung an, wie zum Beispiel beim Wodka. Die Gin Hersteller haben vielmehr einen riesen Spielraum bei der Würze und umso größer sind auch deren Unterschiede.

Die wichtigsten Gin Zutaten

Die allerwichtigste Zutat ist und bleibt die Wacholderbeere. Dies wird bereits im Namen Gin deutlich, denn Jenever oder Genever, von dem sich der Gin ableitet, bedeutet Wacholder. Nur wenn eine Spirituose unter anderem aus Wacholderbeeren hergestellt wurde, darf sie sich überhaupt Gin nennen. Im weiteren Verlauf jedoch sind der Kreativität des Destillers keine Grenzen gesetzt. Bis weit über 100 Zutaten bringen sich im Geschmack ein. Von Lavendel, Fenchelsamen, Drachenfrucht, Muskatnuss, Zitrusfrüchte oder Süßholz über Kardamom oder Koriander ist alles vertreten.

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– Gin Zutat: Wacholder –

Die Geschichte hin zum Gin

Ursprünglich sollte Genever, also Wacholderschnaps, als Arznei gegen Magenleiden dienen. Der enthaltene Wacholder galt als Heilmittel gegen diverse Wehwehchen im Bauch. Als die „Arznei“ immer mehr Menschen schmeckte, die vielleicht weniger starke Magenleiden oder tatsächlich nur Durst auf leckeren Schnaps hatten, wurde Genever immer bekannter. Schließlich gelangte er im 17. Jahrhundert auch auf die britischen Inseln, wo er sich reger Beliebtheit erfreute. Zu allem Übel erlaubte Queen Anne 1702 die private Herstellung von Genever, was in dermaßen extremen Saufeskapaden der Untertanen mündete,  dass privates Brennen untersagt und Lizenzen nur teuer und rigoros verteilt wurden. Nicht zuletzt das britische Empire mit seinem weltumspannenden Kolonien ermöglichten eine Vielfalt an Zutaten und Gewürzen, die Gin aus England besonders populär machte.

Gin oder Genever?

Genever ist heutzutage weitgehend ähnlich einem normalen Gin. Hauptunterschied ist nicht nur die vorgeschriebene Herkunft des Genever, der nur in Holland, Belgien und Teilen Nordfrankreichs hergestellt werden darf. Wer woanders Genever brennt, der darf ihn leider nicht so nennen, sondern muss sich mit Gin auf dem Etikett begnügen. Im Gegensatz zum Gin, dessen Basisdestillat einem Vodka entspricht, wird bei Genever eine mehrjährig gelagerte Getreidemaische mit dem durch Gewürze angereicherten Destillat vermischt und anschließend gebrannt.

Die Gin Herstellung

Mazertation: Kaltauszug

Klassischer Gin wird hergestellt, indem zuerst aus Getreidemaische Schnaps gebrannt wird. Doch diese Maische wird mit den zahlreichen Botanicals vermischt, deren Aromen sich anschließend im Destillat wiederfinden. Damit bei den Botanicals die zahlreichen Aromen freigesetzt werden, werden sie erst zerkleinert oder ausgepresst. Wahlweise in feinen Netzen oder lose werden die Gewürze dann in den Alkohol gehängt. Nach der Zugzeit wird die Flüssigkeit gefiltert, verdünnt und abgefüllt.

Digestion: Heißauszug

Bei der Digestion hingegen handelt es sich um eine weitere Technik der Herstellung von Gin. Die Gewürze werden dabei zerkleinert und bei etwa 70 Grad in Alkohol gekocht bis sich die ätherischen Öle lösen und die Aromen aufgehen. Diese Methode geht deutlich schneller als der Kaltauszug.

Perkulation

Eine andere Methode ist das vorherige Brennen ohne Gewürze, daraufhin ein anschließendes Hinzufügen der Botanicals in Siebe, über die der Alkoholdampf geleitet wird. Besonders pfiffige Hersteller vollziehen den Brennvorgang unter dem Einsatz von Vakuum-Brennblasen, was ein Destillieren bei niedrigeren Temperaturen zulässt. Hierdurch wird ausgeschlossen das Aromen mancher Gewürze „verbrennen“ und ihre Zusammensetzung ändern, was schlimmstenfalls in einem furchtbaren Geschmack mündet.

Andernfalls kann auch statt Alkoholdampf der Alkohol in flüssiger Form über die Siebe geleitet werden. Da dies innerhalb der Destille geschieht, anders als bei der Digestion, treibt dies die Herstellungskosten in die Höhe. Allerdings darf sich der so hergestellte Gin „Destilled Gin“ nennen.

Die Gin-Sorten

Beim Gin gibt es wie bei anderen Spirituosen diverse Unterarten, die der normale Gin-Tonic-Trinker wahrscheinlich gar nicht kennt und alsbald nach dem Lesen dieses Artikels auch wieder vergessen wird. Deshalb hier nur die gröbsten Informationen zu den wichtigsten Gin-Sorten:

Der Dry-Gin ist einer der bekanntesten seiner Art. Bei ihm steht der Wacholdergeschmack im Vordergrund, wobei er nur minimal süß ist und manchmal durch eine besondere Färbung glänzt, die an Saphierblau erinnert. 

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– Bekannte Gin Sorten: Sapphire & Hendrick’s –

London Dry Gin muss mindest zweifach destilliert werden, eine Färbung oder starke Zuckerbeigabe sind verboten. Auch bei ihm dominieren der Wacholder und die weiteren Gewürze deutlich den Geschmack.

New Western Dry Gin unterscheidet sich von den beiden bereits vorgestellten Sorten, da bei ihm die Botanicals deutlich hervorstechen. Statt dem Wacholder ist es dann beispielsweise Citrus und Koriander, die den Gaumen vielleicht verwirren oder aber verzücken. Er bietet sich für ungewöhnlichere Drink-Kreationen förmlich an.

Old Tom Gin wirkt wesentlich süßer als andere Gin-Sorten. Durch die Beigabe von Zucker gehen bittere Aromen eher unter und er ist salopp formuliert die Mädchentraube unter den Gins. Dies macht ihn zum idealen Spirit für süßere Cocktails, die durch ihn nicht völlig in eine andere Richtung gedrückt werden, wie es bei einem Dry Gin der Fall wäre.

Ebenso lieblich ist der Plymouth Gin, welcher nur in Plymouth hergestellt werden darf. Bei ihm geht das Wacholderarome etwas unter, Fruchtigkeit und Süße stehen durch Beigabe von Zucker im Vordergrund.

Gin Tonic: Tipps und Tricks

Bei Gin Tonic existieren mittlerweile dermaßen viele Abarten, dass es aus gutem Grunde Bars gibt, die 50 unterschiedliche Gin Tonics anbieten oder gar keine weiteren Spirits anbieten. Hier ist dann ein besonders versierter Barkeeper gefragt, der mittels seiner Erfahrung das richtige Tonic mit dem richtigen Gin kombiniert. Besonders gewiefte Mixer fügen auch noch bestimmte Früchte oder zusätzliche Botanicals hinzu, um den Geschmack zur Vollendung zu bringen.

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– Gin Tonic (Credits: Jan Persiel) –

Weil wir selber nicht alle abgefahrenen Kombinationen kennen und auch hier nicht aufführen können, möchten wir euch unseren Liebling Vorstellen. Grundlage ist der Gin Mare, der eine beerige Note aufweist und einfach abartig geil schmeckt. Hinzu kommt das 1724 Tonic Water, das perfekt mit Gin Mare harmoniert und schlicht und ergreifend nicht ganz so abgeschmackt ist, wie Thomas Henry. Um den Beerengeschmack des Gins, der im Drink nicht untergehen soll, zu unterstreichen fügen wir abschließend nicht nur Eiswürfel, sondern auch noch Himbeeren hinzu. Fertig ist der Gin Tonic nach Art des Hauses. Cheers!

Credits: cyclonebill

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