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Rothaus Tannenzäpfle im Test | Zischt wie Apfelsaft und steigt in die Birne wie ein V8

Rothaus Pils: Regionales Bier – aber deutschlandweit bekannt. Das Badener-Land ist zwar nicht gerade berüchtigt für maximalmotorisierte Automobile, stehen mit ihren Produkten den Münchner Autobauern – was das Dröhnen angeht – jedoch in nichts nach. Ohne 4,9 Liter; dafür mit 5,1 % Vol. gibt es hier eine Turboladung, welche geschmacklich unübertroffen und konkurrenzlos auf dem Markt ist und auch an den Münchner Edelstoffen problemlos vorbeizieht. Ja, wir lieben das badische Kunstwerk und ihr fesches Schwarzwaldmädel – ringen jetzt jedoch um Objektivität und unterziehen dem Tannenzäpfle einen umfassenden Test. 😉

Flasche mit Kultstatus

Obwohl wir beide aus dem „Ländle“ kommen, haben wir die Namensgebung und die Geschichte der Rothaus Brauerei nicht weiter hinterfragt (..nein, Deine Theorie, das Rot komme ursprünglich von der Alkoholikernase muss schlichtweg korrigiert werden). „Rothaus“ geht vielmehr auf die Patrizierfamilie Roth aus dem Klettgau zurück. Sie haben sich etwa im Jahre 1300 in Grafenhausen im Hochschwarzwald niedergelassen. Nachdem sie in der Gemeinde den Bau des „Rothen Hauses“ veranlassten, übernahm Michael Kaiser ab 1660 den Besitz und nutzte es fortan als Gasthaus [1].

kloster_st_blasien– Benediktinerkloster St. Blasien –

Etwa 100 Jahre später begann nun die Geschichte der Braukultur in dem heutigen Luftkurort: Das Benediktinerkloster St. Blasien erwarb das Gasthaus und Mönche begannen aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe ein Gut zu mischen, was bei uns noch heute – mehr als 200 Jahre später – triefende Mäuler verursachen sollte. #GeehrtSeiFürstabtMartinGerbert Nach ersten Brauversuchen im Januar 1791 gibt es die Brauerei Rothaus nun bereits seit 1791. Von 1806 bis 1918 hieß sie jedoch Großherzogliche Badische Staatsbrauerei Rothaus [2]. //Ende des Geschichtsunterrichts

Heute: Badische Staatsbrauerei Rothaus

Seit 1918 hat die Brauerei nun ihren Namen und ist seit 1922 eine Aktiengesellschaft. Heute gehen zu 100 Prozent der AG an die Beteiligungsgesellschaft des Landes Baden-Württemberg mbH. Als man vor einem Jahrzehnt noch Probleme hatte außerhalb Baden-Württembergs überhaupt an diese Perle der Braukunst zu kommen, gilt es mittlerweile in Städten wie Hannover, Berlin, München oder Köln als hippes Szenegetränk. So verzeichnen diese Szenetrinker außerhalb Baden-Württembergs bereits 10% der Umsatzes. Da das Werbeetat sehr gering gehalten wird (Verzicht auf TV und Radio) kann die Qualität des Bieres als Indiz des Markterfolges gewertet werden. Uns überrascht deshalb nicht die Tatsache, dass trotz des Rückgangs des allgemeinen Bierkonsums in Deutschland und Baden-Württemberg der Absatz und der Umsatz in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu konträr gesteigert werden [3;4]. Die Brauerei Rothaus stellt mittlerweile etliche verschiedene Arten von Bier her: Märzen Export; Hefeweizen; Hefeweizen Alkoholfrei; Tannenzäpfle (Pils); Tannenzäpfle Alkoholfrei; Radler; Eiszäpfle (Märze Export) und auch ganz neu seit diesem Jahr das Jubiläumsjahr (225 Jahre Brauerei und 60 Jahre Tannenzäpfle) „Schwarzwald Maidle“ ein naturtrübes Bier nach historischen Rezepten. .

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– Produktpalette Rothaus Brauerei –

Wie schmeckt das Bier ?

Verdammt gut. Die Flasche mit goldenem Mantel ist im Handumdrehen geöffnet und eingeschenkt. Und sofort steht einem der Anblick einer malerisch feinporig und stichfesten Schaumkrone, unterzeichnet mit pilstypischem Gelbgold und feinperliger Kohlensäure, bevor. Es riecht ausgesprochen malzig; kombiniert mit einer fulminant erfrischenden Portion Hopfen. Zieht man den ersten Schluck, so kann die Süffigkeit des Bieres – welche so häufig in Kombination mit dem Pils gebracht wird – bereits direkt unterzeichnet werden. Und obwohl es ähnlich süffig ist, wie die Konkurrenz aus München, steigt es deutlich malziger und würziger ein. Im Bauch breitet sich jedoch eine angenehme Süße aus, welche sich im Abgang wieder deutlich säuerlicher und bitterer zeigt. Es ist also nicht monoton im Geschmack, sondern variiert vielmehr hin zu einer Geschmackssensation, welche sich vor allem kühl bei 3-4 Grad ereignen lässt.

rothaus-tannenzaepfle-pils-erfahrung„In Acht nehmen“ sollten sich vor dem Gebräu die Kolleginnen und Kollegen aus Bayern und dem Norden Deutschlands. Denn mit 5,1 % Vol. steht einem schon nach 3 Bierchen die Dröhnung ins Gesicht geschrieben – „Holsten knallt am dollsten“ gerät dabei schnell in Vergessenheit und die Würze übertrumpf das bayrisches Wasser ohne die Muskeln anspannen zu müssen. Ein „Hoch“ auf das Tannenzäpfle: das Pils für das „who is who“ der Bier-Kultur.

Fazit: Stern am Hopfenhimmel.

Die Kombination diverser Elemente ist wohl das, was dieses Pils so erfolgreich macht. Der schöne Anblick, das traditionell gehaltene Etikett, die dezente Süße im Bauch mit dem leicht bitteren Nachgeschmack im Abgang machen das Tannenzäpfle so genial und es kann damit zurecht als Stern am Hopfenhimmel angepinnt werden. Mehr erfahrt ihr auf der Rothaus Website.

[1] Badische Brauereien und ihre Gastwirtschaften
[2] Rothaus Geschichte
[3] Bierabsatz in Deutschland 1993 – 2015
[4] Jahresabschlüsse Badische Staatsbrauerei Rothaus

2 comments

  • Waldemar

    Stimmt schon. Rothaus ist nicht schlecht. Aber was wirklich noch besser ist- und das ist schwer zu glauben- ist das Waldhaus ein Luftkilometer weiter. Eine kleine Privatbrauerei die die letzten Jahre ordentlich gewachsen ist. Und mehr noch. Jedes Jahr etliche Preise für seine Biere zurecht gewinnt. Wenn ihr Rothaus liebt, werdet ihr vor Waldhaus auf die Knie gehen. Vorallem das Rote ohne Filter. Absoluter Wahnsinn.

    • uniquedrinks
      uniquedrinks

      … dann schauen wir uns dieses Gebräu wohl mal als nächstes an :-)) Sind noch frisch dabei in der Bier-Review Szene – mit den Besten anzufangen hat jedoch noch nie geschadet ;-))
      Cheers – Julian

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